FP-Raml übt Kritik an Ärztekammer-Chef Szekeres

Alle am Gesundheitswesen beteiligten Berufe müssen hohe Qualitätsstandards halten – Inkaufnahme gesellschaftlicher Spaltung ist unzulässig

Der Linzer Gesundheitsstadtrat Michael Raml übt im Zuge einer offenen gesellschaftlichen Debatte zu Fehlern im Coronamangement deutliche Kritik an wesentlichen Akteuren im österreichischen Gesundheitswesen. Neben den Apotheken, die zuletzt durch Softwarefehler bei der E-Medikation und den Vertrieb von unseriösen „Wundermitteln“ für Schlagzeilen sorgten, gilt seine Kritik auch dem Chef der Ärztekammer, Dr. Thomas Szekeres. Raml wörtlich: „Corona hat viele Fragen aufgeworfen, aber auch einen veritablen Graben durch die Bevölkerung gezogen. Umso wichtiger ist es jetzt, eine ehrliche und schonungslose Diskussion darüber zu führen, wo Fehler passiert sind und wie diese beseitigt werden können. Diese Fähigkeit zur kritischen Selbstreflexion würde ich mir auch vom Präsidenten der österreichischen Ärztekammer, Dr. Thomas Szekeres, wünschen, der in den vergangenen Monaten leider ganz wesentlich zur gesellschaftlichen Spaltung beigetragen hat.“

Als Ex-Bundeskanzler Kurz sein Bestellmärchen vom russischen Impfstoff Sputnik V erzählte, sei Szekeres der Erste gewesen, der diese Aktion öffentlich beklatschte. Dass zu diesem Zeitpunkt eigentlich jedem längst klar war, dass dieser Impfstoff in der Europäischen Union vermutlich gar keine, zumindest aber keine schnelle, Zulassung bekommen würde, störte den Ärztekammerpräsidenten in seiner Beifallsbekundung offenbar aber nur wenig. Auch die Tatsache, dass Szekeres erst kürzlich eine Steuererleichterung für Geimpfte fordert, löst dem Vernehmen nach bis in die Ärzteschaft hinein absolutes Unverständnis aus. Eine Steuererleichterung für Ärztinnen und Ärzte, die während der Pandemiebekämpfung mit tausenden Überstunden an der vielzitierten epidemiologischen Front standen, wäre eine verständliche standespolitische Forderung. Alles andere ist billiger Populismus, fasst Raml zusammen. „Wenn ein Wiener AKH-Professor zu einem Zeitpunkt, zu dem 11% der Corona-Intensivpatienten doppelt geimpft waren, behauptet, dass nur ungeimpfte Personen auf der Intensivstation behandelt werden müssten, so ist er offenbar ahnungslos. Damit verunsichert er die Bevölkerung und damit schafft er auch gewiss nicht das Vertrauen, das notwendig wäre, um die Akzeptanz der Bürger für diverse Maßnahmen zu erhöhen“, so der Gesundheitsstadtrat. 

Raml abschließend: „Ich bedanke mich ausdrücklich bei den Ärztinnen und Ärzten für ihre großartigen Leistungen in der Pandemie und auch darüber hinaus. Ich bitte die Spitzen der Standesvertretung jedoch um ein höheres Maß an Sensibilität und die Rückbesinnung auf den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt.“