Gesundheitsstadtrat Dr. Raml: „Der Linzer Ärztemangel macht sich immer mehr auch bei Kinderärzten spürbar, vor allem im Linzer Süden. Ein Grundproblem: 4 von 10 Medizinabsolventen wandern ins Ausland ab. Es ist daher überfällig Lösungen zu finden, um ausgebildete Mediziner in Österreich zu behalten. Dazu sollten wir auch über mögliche Verpflichtungen nachdenken.“

Ärztemangel in Linz – 4 von 10 Medizinabsolventen wandern ins Ausland ab

Der Ärztemangel ist längst in Linz angekommen und wird vor allem im Linzer Süden immer spürbarer. Ein besonderer Mangel herrscht bei Kinderärzten. „Die Linzer brauchen Sicherheit in der ärztlichen Versorgung ihrer Kinder. Es kann nicht sein, dass sie in einem Ernstfall aufgrund des Mangels an Kinderärzten durch die Stadt irren müssen, um Hilfe zu erhalten“, unterstreicht der Linzer Gesundheitsstadtrat Dr. Michael Raml. Aktuell sind in der Landeshauptstadt drei von insgesamt zehn Kassenstellen für Kinderärzte unbesetzt. Nachfolger sind nicht in Sicht. „Bei den Kinderärzten in unserer Heimatstadt zeigt sich eine weitere Schattenseite des voranschreitenden Ärztemangels. Die Gründe sind jedoch die gleichen, der medizinische Nachwuchs bleibt generell hinter dem Bedarf zurück. Kein Wunder, wandern doch vier von zehn Absolventen eines Medizinstudiums in Österreich ins Ausland ab. Wird diesem Negativtrend nicht endlich entgegengewirkt, können wir den Ärztemangel nicht bewältigen“, zeigt der Gesundheitsstadtrat auf und fordert: „Die Österreichische Gesundheitskasse muss endlich tätig werden. Sie muss Anreize schaffen, um ausgebildete Mediziner in Österreich zu behalten. Die Corona-Krise zeigt, wie wichtig ein aufrechtes Gesundheitssystem ist – einen fortschreitenden Mangel an Ärzten können wir uns nicht leisten.“

„Wenn positive Anreize nicht wirken, müssen wir über Pflichten reden.“

„Auch der Gesundheitsminister darf jedenfalls nicht länger zusehen, wie der Ärztemangel immer schlimmer wird. Ich plädiere dafür: Wenn positive Anreize, um Medizin-Absolventen in Österreich zu behalten, nicht wirken, müssen wir über Pflichten reden“, stellt Raml klar und führt aus: „Die Medizinstudenten werden auf unsere Kosten ausgebildet. Wir können aber nicht die Medizin-Uni für die ganze Welt sein. Eine Verpflichtung, dass Medizin-Absolventen zumindest für ein paar Jahre nach Ende des Studiums in Österreich arbeiten müssen, würde große Abhilfe leisten. So wird einerseits der Mangel an Ärzten aktiv bekämpft und gleichzeitig dem Steuerzahler etwas zurückgegeben.“ 

Raml: Linz braucht euch Jungmediziner!

Gesundheitsstadtrat Michael Raml: „Linz kämpft an verschiedenen Stellen mit dem zunehmenden Ärztemangel. Am kommenden Mittwoch versuchen in Linz 2.223 Bewerber einen von insgesamt 240 Medizin-Studienplätzen zu ergattern. Von den Medizin-Absolventen an österreichischen Unis wandern aber rund 40% ins Ausland ab. So können wir unseren Ärztemangel nicht wirksam bekämpfen. Wir brauchen mehr Studienplätze für Österreicher, statt Quoten, die langfristig unser Gesundheitssystem bedrohen.“

„Ich wünsche allen Teilnehmern des Aufnahmetests für das Medizin-Studium viel Erfolg“, schickt der Linzer Gesundheitsstadtrat Michael Raml seine guten Wünsche für den am Mittwoch stattfindenden Medizin-Aufnahmetest voraus. Fast 18.000 Studieninteressierte versuchen dabei österreichweit ihr Glück. Für die 2.223 Bewerber in Linz stehen aber nur 240 freie Plätze an der Medizin-Fakultät der Uni Linz zur Verfügung. „Es ist sehr wichtig, dass unser Gesundheitssystem auch von den ausgebildeten Jungmedizinern profitiert. Der Ärztemangel schreitet österreichweit und auch in unserer Heimatstadt bedrohend voran. Gleichzeitig wandern aber 4 von 10 Medizin-Absolventen ins Ausland ab. Das passt nicht zusammen. So kann das österreichische Gesundheitssystem nicht lange erhalten bleiben. Wir müssen dafür sorgen, dass in Österreich ausgebildete Mediziner auch in Österreich bleiben und für die Gesundheit der Menschen arbeiten. Deshalb brauchen wir mehr Studienplätze für österreichische Medizin-Studenten“, fordert der Gesundheitsstadtrat.

Quotenregelung erschwert Kampf gegen Ärztemangel deutlich

Die für die Aufnahme zum Medizin-Studium angewandte Quotenregelung verhindert ein effizientes Bekämpfen des heimischen Ärztemangels und sorgt für teils absurde Ergebnisse: „Allein 20% aller österreichischen Medizin-Studienplätze müssen an EU-Ausländer vergeben werden. Das machen sich bekanntlich viele Studienanwärter aus Deutschland zu Nutze. Diese erhalten eine vom österreichischen Steuerzahler finanzierte medizinische Ausbildung und wenden diese nach dem Studium oftmals lediglich zurück in ihrer Heimat an“, zeigt Raml auf und erinnert: „Darüber hinaus müssen 5% der Plätze an nicht-EU-Bürger vergeben werden. Ein Rechnungshofbericht zur Ärzteausbildung zeigte letztes Jahr Schockierendes auf: beim Aufnahmetest für das Medizin-Studium muss jeder österreichische Bewerber mindestens 75 Prozent der Gesamtpunkte erreichen. Bei nicht-EU-Ausländern reichte es, dank der Quote, in einigen Fällen, wenn sie nur 20 Prozent der Testfragen richtig hatten, also ein Fünftel. Rein statistisch ist das bei einem Multiple Choice-Test automatisch erfüllt. Das ist unfair gegenüber allen österreichischen Medizin-Studenten und absolut absurd!“