Engertsberger/Hein: Gestaffelte Schulzeiten als verkehrliches Erfolgsmodell

Neuhofen an der Krems zeigt Linz wie es gehen könnte – Chancen aus der Krise nutzen

Der gestaffelte Schulbeginn ist in Linz-Land bereits Realität. Konkret setzt die Gemeinde Neuhofen an der Krems auf ein sehr einfaches Modell der gestaffelten Schulzeiten und zwar vorrangig aus Gründen des hohen Verkehrsaufkommens zu Stoßzeiten. Auch Linz kann sich an Neuhofen an der Krems ein Beispiel nehmen. „Bereits seit Jahrzehnten hat unsere Gemeinde in enger Zusammenarbeit mit den LeiterInnen der Volksschule und den damaligen zwei Hauptschulen eine gemeinsame Vorgehensweise betreffend die Schulbeginnzeiten vereinbart. In der Zwischenzeit hat die Volksschule ca. 400 SchülerInnen und beginnt um 8.00 Uhr. Die direkt daneben befindliche ‚Neue Mittelschule‘ hat 300 SchülerInnen und beginnt bereits um 7.30 Uhr mit dem Unterricht“, erklärt der Bürgermeister von Neuhofen an der Krems Günter Engertsberger.

Wie bereits in der vergangenen Woche vorgeschlagen, würde dieses Modell auch für Linz einige Vorteile bringen. „Eine Staffelung der Beginnzeiten nach Schultypen würde zu einer spürbaren Verkehrsentlastung – vor allem während der Stoßzeit am Morgen – führen“, erklärt Infrastrukturreferent Vizebürgermeister Markus Hein und fordert: „Viele Neuerungen durch die Corona-Krise gehen auch mit einer Änderung im eigenen Verhalten einher. Diese Gelegenheit sollten wir nutzen, um veraltete Strukturen aufzubrechen und nach neuen Wegen zu suchen. Mit der Staffelung der Schulzeiten in Neuhofen haben wir ein Best-Practice-Beispiel, dass seit langem gut funktioniert. In Linz müssen wir nur den Mut haben, diesem Beispiel zu folgen.“

„Durch das Splitting der Beginnzeiten wurde in Neuhofen eine wesentliche Verbesserung herbeigeführt. Berücksichtigt man neben den Schülern auch den Lehrkörper sowie die übrigen Bediensteten, wäre eine einheitliche Beginnzeit verkehrstechnisch mit nur einer Zubringerstraße in Neuhofen heute nicht mehr machbar. In Linz mit 42 Volksschulen, 21 Mittelschulen, 4 Sonderschulen, 2 Polytechnische Schulen, 9 Berufsschulen und 16 AHS wäre das Potential ungleich höher“, so Engertsberger und Hein.

Hein fordert gestaffelten Beginn der Schulzeiten am Morgen

Bessere Verteilung des Verkehrs bringt weniger Stau und mehr Platz in Öffis

Im Mai sollen nun auch die Schulen wieder aufsperren dürfen. Damit verbunden ist natürlich auch eine spürbare Steigerung des Verkehrsaufkommens. „Um nicht wieder in die alten Muster zurückzufallen und im täglichen Stau viel Zeit zu verlieren, wäre die seit Jahrzehnten diskutierte und auch von vielen Verkehrsbetrieben geforderte Staffelung des morgendlichen Schulbeginns endlich umzusetzen“, fordert Verkehrsreferent Vizebürgermeister Markus Hein: „Diese Änderung hätte mehrere Vorteile: Weniger Stau, weniger Chaos vor den Schulen und mehr Platz in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Gerade letzteres wäre auch hinsichtlich Mindestabstand in der aktuellen Lage von Vorteil.“

„Denkbar wäre beispielsweise eine Staffelung nach Schultypen – Volksschule, Unterstufe, Oberstufe. Beginnen könnten dabei beispielsweise die Volksschulen. Für ältere und damit selbstständigere Schüler könnten die entsprechenden Beginnzeiten in 30 Minutenschritten gestaffelt werden“, erklärt Hein: „Gerade jetzt würde ich mir mehr Flexibilität und Mut von den für Bildung zuständigen Stellen im Land und Bund erwarten. Krisenzeiten sind oft auch Zeiten der Veränderung. Wir sollten diese Chance deshalb jetzt nutzen. Wenn erst der gewohnte Alltag wieder eingekehrt ist, werden Abweichungen nur mehr ungern akzeptiert – dabei spielt auch die eigene Bequemlichkeit eine Rolle.“

Hein ist überzeugt, dass neben seiner Forderung nach regelmäßigen Homeoffice-Tagen auch die gestaffelten Schulbeginnzeiten den täglichen Stau beseitigen würden. „Mit einer besseren Verteilung würde die vorhandene Infrastruktur in vielen Fällen ausreichen und sie wäre über einen größeren Zeitraum optimaler genutzt. Sowohl Stau- wie auch Leerzeiten würden weniger werden und das ganz ohne teure Investitionen. Ich gehe davon aus, dass nach Corona das Geld für Großinvestitionen sicher nicht mehr werden wird und wir uns auf die Umsetzung der wichtigsten Infrastrukturprojekte konzentrieren werden müssen!“, so Hein abschließend.

 

Hein: Mehr Homeoffice auch nach der Krise würde für weniger Stau sorgen

Zehn Prozent weniger Verkehr und auf den Linzer Straßen wird es spürbar flüssiger

In Krisenzeiten sind viele Menschen und auch Unternehmer bereit, für sie sonst vielleicht auch ungewohntes, Neuland zu betreten. Homeoffice war vor der Krise noch für viele undenkbar. Vorurteile, wie beispielsweise daheim wird nicht konzentriert gearbeitet, hielten viele davon ab, dies breitflächiger zu ermöglichen. Dabei wäre gerade Homeoffice eine günstige und sehr wirkungsvolle Methode – auch außerhalb einer Krise – gegen den Stau zu kämpfen. „Dies würde natürlich auch dem städtischen Klima guttun“, erklärt Verkehrsreferent Vizebürgermeister Markus Hein: „Gerade jetzt in der Krise sehen wir, dass unser Notsystem, welches von vielen Mitarbeitern über Homeoffice betrieben wird, sehr gut funktioniert. Viele Arbeiten können – ohne Qualitätsverlust – von zu Hause aus per Computer erledigt werden.“

„Wenn nur zehn Prozent der Einpendler auf Homeoffice, sanfte Mobilität oder den Umweltverbund wechseln, würde sich die durchschnittliche Stauzeit in unserer Stadt deutlich reduzieren“, prophezeit Hein: „Wir wissen, dass im Sommer ungefähr elf Prozent der Bevölkerung gleichzeitig auf Urlaub sind. Das war das Ergebnis einer IMAS-Umfrage. Diese elf Prozent reichen aber bereits aus, damit es auf den Linzer Straßen flüssig und nahezu staufrei vorwärts geht.“ Hein kündigt abschließend an, dass er sich speziell dafür einsetzen wird, dass Homeoffice in Linz für Behörden und Unternehmen endlich zum Alltag wird: „Wir können in der Stadt nicht nur von Digitalisierung sprechen, wir müssen auch die eigenen Arbeitsprozesse in diese Richtung entwickeln! Digitalisierung muss vor allem dazu dienen, die Lebensqualität der Menschen zu erhöhen. Mehr digital, weniger Stau – muss das Motto lauten!“

Hein: TomTom-Stauindex zeigt, dass Linzer Verkehrsmaßnahmen wirken

Verkehrssituation wird sich durch neue Donaubrücken demnächst verbessern

Auch dieses Jahr ist die österreichische Stauhauptstadt Wien (+28%), gefolgt von Salzburg (+27%), Graz (+26%) und Innsbruck (+23%). Erst auf den fünften Platz – trotz großer Baustellen – reiht sich unsere oberösterreichische Landeshauptstadt Linz (+22%) in das Österreich-Ranking ein. Autofahrer verlieren überwiegend in abendlichen oder morgendlichen Stoßzeiten wertvolle Zeit. „Trotz angespannter Verkehrssituation konnten wir uns aber auch heuer wieder gegenüber den anderen Landeshauptstädten behaupten. Auch im weltweiten Vergleich macht Linz (Platz 258) eine gute Figur. So stehen die Linzer sogar weniger im Stau als beispielsweise die Bewohner der Radhochburg Amsterdam (+26%). Am Stauindex lässt sich ablesen, dass unsere Verkehrsmaßnahmen wirken!“, berichtet Infrastrukturreferent Markus Hein.

Dass die Stau-Tendenz in den meisten Städten aber nach wie vor zunimmt, liegt vor allem an der jährlichen Zunahme des Berufsverkehrs in den Großräumen. Das zeigt die Erhebung durch Navigationsgerätehersteller TomTom, der während der Fahrt laufend die entsprechenden Daten aufzeichnet und den jährlichen „Stau-Index“ daraus ableitet. Der TomTom-Stauindex beschreibt die prozentuale Veränderung der Verzögerungen von Fahrten durch verkehrsbedingte Behinderungen. Deutlich mehr Zeit als in der Morgenspitze raubt die Stoßzeit am Abend in Linz. Nach Freigabe der Bypass-Brücken im kommenden Sommer, wird sich das aber deutlich verbessern. Nächstes Jahr folgt die Freigabe der Neuen Donaubrücke Linz, die für eine weitere Entlastung sorgen wird!“ so Hein abschließend.