Gesundheitsstadtrat Raml kritisiert: Antigen-Tests bei Hausärzten derzeit ohne Auswirkungen

Nach neun Monaten Pandemie fehlen weiterhin Grundlagen von BM Anschober – Kritik von OÖÄK-Niedermoser berechtigt
 
„Bereits 45 Prozent der Hausärzte bieten Antigen-Schnelltests an. Der anschließende behördliche Ablauf lässt aber zu wünschen übrig“, kritisiert der Linzer Gesundheitsstadtrat Michael Raml. „Ein positiver Antigen-Schnelltest begründet nämlich noch keinen Absonderungsbescheid. Vielmehr muss ein weiterer Test (PCR-Test) im Auftrag der Bezirksverwaltungsbehörden durchgeführt werden. Erst danach ist es möglich, Quarantäne anzuordnen. Dazwischen verstreichen mehrere Tage und somit wertvolle Zeit. Dass Minister Anschober nach neun Monaten Pandemie hier keine bessere Lösung präsentieren kann, ist bezeichnend. Rechtlich wirkungslose Ankündigungen helfen hier reichlich wenig“, führt Raml weiter aus. Offenbar hat Anschober per Schreiben zugesichert, dass Hausärzte nach positiven Antigen-Schnelltest mündlich Quarantäne anordnen dürfen, rechtlich fehlt aber dafür die Grundlage.

„Auf eine entsprechende Verordnung durch den Gesundheitsminister Anschober wartet man vergeblich. Mittlerweile sollte auch im Kabinett des Gesundheitsministeriums bekannt sein, dass Pressekonferenzen und Schreiben keine rechtliche Wirkung entfalten. Ich fordere Minister Anschober hiermit auf, endlich in seinem Zuständigkeitsbereich tätig zu werden“, führt Raml, selbst Jurist, weiter aus und schlägt vor: „Eine weitere Vereinfachung wäre die Bestellung der Hausärzte als Epidemieärzte. Dadurch können jene Ärzte, die Schnelltests durchführen, rechtswirksame mündliche Anordnungen zur Absonderung und die sofortige Eintragung in das behördliche EMS (Epidemiologisches Meldesystem) selbst durchführen. Diese  Möglichkeit bietet das Epidemiegesetz im Paragraph 27. Testende Ärzte sollen zudem – so wie bislang schon Labore – einen direkten Zugang zum EMS erhalten. Ich bin diesbezüglich bereits im Gespräch mit der Bundeskurie der niedergelassenen Ärzte.“

Der freiheitliche Stadtrat erklärt abschließend: „Natürlich appelliere ich auch an die Eigenverantwortung, dass sich Personen mit einem positiven Schnelltest selbstständig absondern. Es ist dennoch ärgerlich, dass nach neun Monaten Pandemie immer noch die rechtlichen Grundlagen fehlen und dadurch eine künstliche Zeitverzögerung erzeugt wird, die die Betroffenen zudem verunsichert. Ich sehe hier Minister Anschober in der Pflicht, den Gesundheitsbehörden und Ärzten endlich unkomplizierte und einheitliche Vorgaben zu machen. Auch die Abgeltung für Ärzte und Kostenfreiheit für Patienten muss gewährleistet werden. Der Kritik vom Präsidenten der Oö. Ärztekammer, Peter Niedermoser, am derzeitig ungünstigen Verordnungsdschungel pflichte ich vollinhaltlich bei. Die aufgezeigten Probleme gilt es rasch zu beseitigen. Anschober muss endlich seine Hausaufgaben machen.“

Raml: Teststrategie endlich neu bewerten – Priorisierung für Gesundheits- und Pflegebereich gefordert

Lange Wartezeiten bei Schlüsselpersonal besonders problematisch

Angesichts der derzeit hohen Anzahl von Coronatests gibt es laufende Beschwerden über tagelange Wartezeiten auf das Ergebnis. Dies ist für jeden Betroffenen eine Tortur, gefährlich wird es, wenn dadurch medizinisches und pflegendes Personal länger als unbedingt nötig ausfällt. „Ich fordere die Priorisierung von Tests für den Gesundheits- und Pflegebereich. Es kann fatale Folgen haben, wenn Testergebnisse für diesen Bereich in Zeiten hoher Fallzahlen zu viel Zeit in Anspruch nehmen. Schon durch das tagelange Warten auf ein Ergebnis, welches schließlich nur allzu oft negativ ausfällt, werden dringend notwendige Personalressourcen im Gesundheits- und Pflegebereich blockiert“, fordert der Linzer Gesundheitsstadtrat Michael Raml. Für Raml ist es dringend nötig, dass die türkis-grüne Bundesregierung endlich ihre Teststrategie ändert: „Offenbar wurde es auch nach vielen Monaten Corona-Krise nicht geschafft, die Laborkapazitäten zu erhöhen. Deshalb braucht es ein Umdenken bei der Teststrategie, damit weiterer Schaden eingedämmt wird. Es ist nicht zielführend, alles und jeden zu testen. Erst kürzlich mussten etwa wegen der massiven Überlastung einige Bewohner eines Linzer Pflegeheims rund eine Woche auf ihr Testergebnis warten – verbunden mit Besuchsverbot und starken Freiheitseinschränkungen. Die damit verbundene Vereinsamung ist der Gesundheit unserer Senioren abträglich“, so der Gesundheitsstadtrat abschließend.