Unliebsames Projekt wurde mit Scheinargumenten abgeschossen

9_susanne_walcher„Die Idee, in Linz eine Gratis-Einkaufsstraßenbahn nach Grazer Vorbild einzurichten ist vorläufig vom Tisch. Der FPÖ-Antrag dazu wurde bei der letzten Gemeinderatssitzung mit fadenscheinigen Argumenten von Rot und Schwarz niedergestimmt“, erklärt FPÖ-Verkehrssprecherin GR Susanne Walcher. Der FPÖ-Antrag sah eine gratis Benutzung der Straßenbahn an Samstagen während der Geschäftszeiten zwischen den Stationen Rudolfstraße und Goethestraße vor, um so die Einkaufsstadt Linz zusätzlich zu attraktivieren und damit einen Kontrapunkt zu den Einkaufszentren im Linzer Umland zu setzen.

„Die Debatte im Gemeinderat war eine der skurrilsten, die ich jemals erlebt habe. Von Rot und Schwarz wurden Argumente an den Haaren herbeigezogen, nur um einen Grund für das eigene Abstimmungsverhalten zu haben“, so Walcher und liefert eine Aufstellung der abwegigsten rot-schwarzen Gegenargumente: So forderte etwa die ÖVP-Wirtschaftsstadträtin eine „Einbeziehung der Linzer Wirtschaftstreibenden“, die bereits ohnehin im Antrag schwarz auf weiß festgeschrieben war und stellte ernsthaft die Frage „warum soll nur die Innenstadt gefördert werden“ – dabei hatte die ÖVP in der gleichen Gemeinderatssitzung selbst einen Antrag auf eine „fahrradfreundlichere Gestaltung der Linzer Innenstadt“ gestellt. Außerdem sollte es einer Wirtschaftsreferentin klar sein, dass die Nahversorger und kleinere Einkaufspassagen in den Stadtvierteln eine wichtige Funktion für die Bewohner erfüllen, aber wenig geeignet sind, Kunden von den Einkaufstempeln im Umland abzuziehen.

Ein SPÖ-Gemeinderat zeigte sich entsetzt ob der hohen Kosten und befürchtete, die Linz AG werde in Zukunft keine Investitionen mehr tätigen können, sollte die Gratis-Einkaufsstraßenbahn Realität werden. Tatsächlich handelt es sich bei den Kosten um die rein fiktive Summe eines Verdienstentganges, denn für die Gratis-Einkaufsstraßenbahn müssen weder Intervalle verdichtet noch neue Garnituren angeschafft werden. Allein eine verstärkte Abnutzung der Sitze könnte eventuell Kosten verursachen. Zuletzt wurde immer wieder argumentiert, eine Gratis-Straßenbahn sei kontraproduktiv, weil sie die Kunden in Wahrheit vom Flanieren und Shoppen abhalte. „Von einem derartigen Effekt haben die Kollegen aus Graz bislang nichts berichtet. Dort ist die Gratis-Innenstadtstraßenbahn ein großer Erfolg. Aber vielleicht ist Linz hier tatsächlich anders“, so Walcher, die SPÖ und ÖVP Anerkennung zollt, Gegenargumente zu finden, wo keine sind.